Lesen & Essen

Unglaubliche Mengen an Essen & leckeren Pisco Sour gab es in dem besuchten Restaurant am Strand von Copacabana in Bolivien. (Nicht zu verwechseln mit Copacabana in Brasilien.) Nach einem Besuch der Insel ,,Isla del Sol“ und einem kurzen Planschen im Titicaca-See waren wir darüber höchst erfreut. – Wohlgemerkt, der Salat im Bilde ist die Vorspeise.

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I ,,Gar alles oder Briefe an eine unbekannte Geliebte“ von Martin Walser I

Philosophisch, ironisch, ehrlich und viel zum Nachdenken über die eigene Existenz in seiner unangepassten und nicht durch eine vom Gegenüber verfälschte Version.

Justus Mall ist allein, obgleich er eine Geliebte und eine Frau hat. So beginnt er eines Tages, in Form eines Blogs, an eine vielleicht existierende Unbekannte zu schreiben, eine Utopie, die ihn verstehen und annehmen kann. Er möchte sich so zeigen wie er ist, nicht wie andere bereit sind ihn zu mögen. ,,Ohne die Hoffnung, dass es Sie gebe, möchte ich, könnte ich nicht leben.“

Ein hochinteressanter Roman, dem es durch seinen Protagonisten nicht an Schwermütigkeit mangelt. Das sprachliche Auseinanderziehen seiner eigenen Wünsche und Schwächen kommt teils an die Grenze des selbstmitleidigen, gedankenfetzigen, ichbezogenen Formulierens, das einen ab und an etwas Nerven kosten kann, aber der Aussage des Werkes nach, wohl absolut dazugehört.

Das Experiment, jemanden zu suchen, der alle Seiten an einem kennt und dennoch akzeptieren kann, ist vielleicht eine Form von bedingungsloser, ehrlicher Liebe, aber eventuell auch bloß die Suche nach respektvollem Umgang untereinander, ohne die sogenannte Verurteilungssucht, die bei so vielen Mitgliedern unserer Gesellschaft herrscht.

Martin Walser greift also gerade Themen auf, über die laut Gesellschaftsbild recht eindeutig zu denken ist bzw. Haltungen, die oft als richtig oder falsch bezeichnet werden. So wird auch Aktuelles, wie Trump und seine Politik oder die Metoo-Kampanie, angerissen. Es scheint ein Appell an all die zu sein, die sich selbst die Deutungshoheit bei allem geben, anstatt komplett konträre Einstellungen zu respektieren, ohne sie gutheißen zu müssen.
Der Autor gehört zu den bekanntesten deutschen Schriftstellern der Gegenwartsliteratur, er irritiert gern und schreibt über die inneren Konflikte seiner Protagonisten. Hier scheint er zum Großteil auch die eigenen Konflikte zu offenbaren.

Wie die Suche nach ,,Gar allem“ ausgeht, dafür lohnt es sich, diesen Roman aufzuschlagen und sich den gut 100 Seiten zu widmen.

Eindrücke aus Südamerika

Südamerika-Impressionen:

Bild 1: Die Buchhandlung ‚Cultura‘ in Bariloche, Argentinien.

Bild 2: Wo man auch hingeht, man hat Hunde an seiner Seite. – Als ich das Hostel verließ, war es ein Hund, an der Busstation angekommen, waren es acht.

Bild 3: Mein erster Té de coca, mit Koka-Blättern, beruhigt den Magen. – Hier in Uyuni, Bolivien.

Bild 4: Die Figur der Göttin Pachamama, Mutter Erde, auf dem Hexenmarkt in La Paz, Bolivien geholt.

Bild 5: Ein Mate-Tee aus dem ersten eigenen Mate-Becher, der hier sehr üblich in ganz Südamerika ist.

Bild 6: Einer der vielen Bücher-Stände in Buenos Aires.

Die Ermordung des Commendatore I (Eine Idee erscheint) – von Haruki Murakami

Vor längerer Zeit bekam ich ein Werk aus den 80ern in die Hand gedrückt. Mein erstes Buch von Murakami: ,,Wilde Schafsjagd“, Suhrkamp Ausgabe.
Skurril, abgedreht, irgendwie gut. Und dennoch habe ich irgendwann keinen Sinn mehr darin gesehen, weiterzulesen, den Faden verloren, da es mir zu ‚abgespacet‘ wurde und war etwas verärgert, was man nun genau für Inhalt aus den vielen bereits gelesenen Seiten ziehen soll, – so habe ich das Buch abgebrochen. Nun habe ich mich, eine Weile nach vielen Schwärmereien im Kollegium und den sozialen Medien, dazu hinreißen lassen, sein neuestes Werk und damit einen zweiten Murakami zu lesen. – Und ich bereue es keineswegs.

Denn was ist damals in Wien passiert, das einen großen japanischen Künstler namens Tomohiko Amada dazu bewegte, sich von der westlichen Kunst abzuwenden und sein Leben komplett zu ändern? Was ist das für ein seltsames Angebot, das der Ich-Erzähler, ein junger, begabter Portraitmaler, von dem Herren aus der nahegelegenen Villa bekommt? Und was hat es mit dieser Idee auf sich? Diese und viele merkwürdige Begebenheiten treffen einen in diesem zauberhaften Werk.
Es ist packend, mystisch, philosophisch, hat eine saftige, bildreiche Sprache und ist ein absolut zu empfehlender Künstlerroman, wobei Kunstinteressierte zwar auf ihre Kosten kommen, die Geschichte aber auch für Kunstbanausen absolut spannend und einnehmend ist.

In diesem Monat wird der zweite Teil unter dem Namen ,,Eine Metapher wandelt sich“ erscheinen – und dieser kann eigentlich, nach einem solchen Auftakt, nur noch gut werden.

I Bücher & Berge I

Südamerika-Reise:
Hiken in den Bergen, hier: Refugio Frey am Lago Gutierrez. Nach 6,5 Stunden Wandern & Klettern waren wir wieder unten und hundemüde, aber glücklich.

Was ich gerade lese:
Tom Hanks ,,Schräge Typen“ – sehr unterhaltsame Kurzgeschichten! 😊📚

,,Der große Bruder“ – von Esther Gerritsen

Kein Buch für eine nette Gute-Laune-Lektüre, dennoch ist Gerritsens neues Werk so unterhaltsam und (an)spannend, dass es mit einer recht knappen Seitenanzahl doch in einem Zug durchgelesen werden kann.

Kurz zum Inhalt:
,,Auf einem Bein kann man nicht stehen. Als Olivias großer Bruder Marcus sich nach Jahren wieder meldet, sind es nur noch fünf Minuten bis zu ihrem Meeting. Er ist auf dem Weg in den Operationssaal, wo ihm das Bein amputiert werden soll. […] Kurz darauf zieht Marcus bei ihrer Familie ein und bringt alles durcheinander. Am Ende weiß sie nicht mehr, […] wessen Leben auf der Kippe steht, seines oder ihres.“

Je nach Gemütszustand lässt sich dieses “Romänchen“ mal tragisch mal eher komisch lesen, – auch je nachdem wie nah man dieses Buch an sich herankommen lässt. Denn die Romanfiguren sind recht herzlos in ihren Einstellungen, um dann oft wieder sehr nett in ihren Handlungen zu sein (und umgekehrt). Skurril & realistisch zugleich und irgendwie ganz anders, wird hier das dünne aber stets haltende Band von Familie und Liebe aufgezeigt, das Vieles überdauert.

Esther Gerritsen gehört mit zu den bedeutendsten niederländischen Autorinnen. Dieses Werk erschien kürzlich in der deutschen Übersetzung beim Aufbau Verlag.

I Bücher & Bloggen I

Durch meine letzte Rezension bin ich auf die wunderschön kreative Homepage von Cornelia Funke gekommen. Ihre Schwester Insa betreibt dort ein Vorstellungsportal für Buchblogs. Der Dank geht also an sie, für den Vorschlag, dort mitzumachen. Denn seit heute bin ich auch dabei. Schaut doch mal rum, falls ihr Lust habt oder (an die anderen Blogger) Eure eigene Blogvorstellung dort gut hinpasst.

http://www.corneliafunke.com/de/blogs

Liebe Grüße! 📚😊